Impressionen aus dem Keller.

 

I think, loose brain and start again. Fall apart and start again. Start again. 1 Birds can fly so high and they can shit on your head. 2 I wish and go and stumble. Into you and back again. Haters gonna love, lovers gonna hate. Wasn't it that way? All in circles and fancy bubbles. You have to leave before you can come back. Crash into my arms 3 and hold me too tightly. 4 Can you now see the glass hidden in the grass? 5 I told you … I told you. Hush, Baby, hush.

 

 

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1 Placebo – English Summer Rain

2 Kate Nash - Birds

3 Morrissey – Jack the Ripper

4 Morrissey – All the lazy Dykes

5 (somehow) Morrissey – Why don't you find out for yourself


 

 

Ich gehe ein. Aber niemals aus. Verlaufen habe ich mich trotzdem. Wer bin ich? Lassen wir das.

Und die Sache mit dem Träumen sollte ich auch lassen. Don't give up on the dream, don't give up on the wanting. Wenn ich wenigstens die Worte aus meinem Kopf verjagen könnte. Aber sie bleiben und grinsen mich an. Ein seltsames Licht, sie und ich … ach, komm. Ich hab' Wortstarrkrampf. Fremde Worte verdrehen sich auf meiner Zunge. Loopings im Hirn. Ich glaub, ich muss kotzen. Noch mehr Worte. Unverdaut. Ein kleines Bisschen mehr Würde wär' nicht schlecht.

 

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1 „Ich gehe ein. Aber niemals aus.“:  Kid Kopphausen „Wenn ich dich gefunden hab“ („ich ging niemals ein, immer nur aus“)

2 “Wer bin ich?“:  Kid Kopphausen “Hier bin ich“ 

3 „Don't give up on the dream, don't give up on the wanting.”:  PlaceboBecause I want you“ 

 

4,5 „Ein seltsames Licht, sie und ich“//“Ein kleines Bisschen mehr Würde wär' nicht schlecht.“: Gisbert zu Knyphausen „Seltsames Licht“ 

 

 


 

Immer wenn ich lange nicht geschrieben habe und mich dann wieder vor die Tastatur setze, vertippe ich mich beim ersten Wort. Vielleicht kann man daraus Schlüsse ziehen. Vielleicht nicht.

Ich kann nichts tun in diesen Tagen. Die Zeit ist zäh wie Teer und trotzdem zu schnell für mich. Ich komme nicht hinterher. Ich fühle zu langsam und will zu viel.

Du bist schon lange fort. Letztlich bin ich doch gegangen. Ich stand noch eine ganze Weile an der Tür, die du mir vor der Nase zugeschlagen hast. Mit einem Lächeln im Gesicht. Natürlich. Wir sind ja keine Sklaven unserer Gefühle. Und so. Jedenfalls bin ich gegangen. Nach einer Weile. Einer ganzen Weile. Seitdem habe ich nicht mehr mit dir gesprochen. Also mit deinem Du in meinem Hirn. Seitdem habe ich nicht mehr geschrieben. Diese Geschichte endet wohl hier. Das Jahr auch.

 

Das Leben hat mich ziemlich überfahren in den letzten Wochen. Alles ist im Wandel. Ich fühle … Dinge. Ich mag nicht, was mit mir passiert. Ich liebe wie mein altes Ich. Ich lasse mich hin- und herwerfen, ein Zweiglein im Wind, die ganze alte Scheiße eben. Altes Ich, neues Du. Und ich warte. Ich glaube, auf alles warten zu müssen, aber es ist wohl so, dass ich nur auf eine einzige Sache warte: mich. Tja. Die kriecht da hinten rum und traut sich nicht, nach dem Weg zu fragen. Ich mag mich gerade nicht. Also das Ich, das da hinten rumkriecht. Ihr wisst schon. Eigentlich bin ich ein ganz simples, kleines Wesen. Ehrlich, ich brauche nicht viel. Und meistens bin ich ganz zufrieden damit, dass ich einfach immer noch da bin. In meiner Welt ist das eine Leistung. Ich komme klar. Immer. Irgendwie. Es gibt Musik und Wörter. Und Zigaretten. Und Alkohol. Das Leben ist ein Sommertag.

 

Keine Ahnung, wie es weitergeht. Keine Ahnung, ob ich es wissen will. Ich will, dass du zurückkommst. Und dass wir einfach sehen könnten, ob wir irgendein „etwas“ sein könnten. Aber die Dinge sind furchtbar. Ich habe wirklich immer daran geglaubt, dass alles irgendwie möglich ist. Aber für uns gibt es vielleicht zu viele Vielleichts, zu viele Abers, zu viele Was-wäre-wenns. Vielleicht ist das alles eine ganz furchtbar blöde Idee. Vielleicht muss ich endlich lernen, Dinge zu akzeptieren. Vielleicht. Aber ich mag Steckdosen. Ich sitze sehr gern davor und weigere mich zu glauben, dass ich wieder einen Schlag kriege, wenn ich wieder reinfasse. Ein Spaß. Das Leben ist ein Sommertag. Übrigens: Danke dafür, Gisbert.

 


 

Deinetwegen habe ich viel durchgemacht. Viel mehr als ich für möglich gehalten hätte. Sehr viel

mehr. Manches habe ich jetzt verstanden – zumindest glaube ich das.

 

Ich habe keinen Fehler gemacht, mich nicht falsch entschieden, denn es gab keinen anderen Weg.

Nur geradeaus oder warten. Zumindest für mich gab es nur diesen einen Weg. Die einzige

Alternative wäre gewesen, noch ein Weilchen länger am Wegesrand zu sitzen – aber ich wusste,

dass ich nicht ewig dort bleiben kann.

Also bin ich aufgestanden. Aber lange, sehr lange, bevor ich von meinem Plätzchen am Wegesrand

aufgestanden bin, war es schon zu spät. Ich bin schon so viel länger verloren. Der Zeitpunkt, an

dem ich noch eine Wahl gehabt hätte, ist an mir vorbei geschlichen, ich hatte nur die Ahnung einer

Chance, ihn zu fassen. Er flüsterte an mir vorbei und ich war verloren. Jetzt bin ich dein, genauso

wie ich den anderen gehöre. Ich werde bleiben, weil ich muss, ganz egal, was du sagst oder tust.

Das zumindest bin ich. Du kannst mich mit Worten oder Taten verletzen und Schlimmeres, ich

werde immer dort sein, immer bei dir – ob du willst oder nicht. Ob ich will oder nicht.

Du bist mit mir verwoben, du hast Wurzeln in meinem Denken, meinem Fühlen, in meiner Welt

geschlagen. Und sie reichen tief … Sie können niemals vollständig herausgerissen werden. Sie sind

ein Teil von mir geworden, mit ihnen lebe ich, mit ihnen sterbe ich – und sie mit mir.

 

Ich kann deine Ablehnung ertragen – aber nicht das, was sie bedeutet. Denn wenn diese Ablehnung

echt ist, wenn sie wahr ist, dann ist meine Welt unrettbar zerstört. Wenn sie es ist, kann ich nicht

mehr zwischen Realität und Fantasie unterscheiden. Dann gibt es kein Wahr und kein Falsch, kein

Gut, kein Böse, kein Oben, kein Unten. Dann ist alles gleich und nichts hat mehr Bedeutung. Es ist

zu spät, um die Richtung zu wechseln. Dieser Weg hat aufgehört zu existieren.

 

Du fehlst mir. Nicht das, was du tust oder sagst, wenn ich bei dir bin. Nur du. Und der Teil von mir,

der nur durch dich existiert. Auch deswegen ist es nicht wichtig für mich, Wert in mir zu sehen,

etwas Gutes an mir zu finden. Annähernd mein ganzes Leben lang dachte ich, ich müsste etwas

leisten, um mich zu schätzen – oder mich zumindest akzeptieren zu können. Etwas wirklich,

wirklich Großes. Aber so ist es nicht. Ich möchte einfach nur jemand sein, den du magst. Das ist

alles. Es ist absurd, vollkommen absurd, und war bis vor Kurzem undenkbar, aber es ist wahr. Es

wird mir nicht genügen bis ans Ende meiner Tage, aber es wäre ein Fundament. Und ich konnte mir

nie vorstellen, dass es etwas gibt in dieser Welt, das wirklich ein Fundament für mich sein könnte,

etwas, auf dem ich aufbauen könnte. Aber es ist so. Ich brauche jemanden, dich, der mich einfach

mag, der mich hält, damit ich mich nicht auflöse.

 


 

Ich habe Verätzungen. Von deinem Blick. Vielleicht ist es einfach das, was passiert, wenn man sich zu sehr wünscht, gesehen zu werden.

 


 

Ich wollte nie viel vom Leben. Im Grunde wollte ich immer einfach nur sein. Ich wollte nur ein

Nest, eine Nische, mein eigenes kleines Biotop, in dem ich mich verstecken kann, wenn ich muss.

In dem ich allein sein kann. Ein Ort, an dem ich mich mit meiner zusammengesammelten Familie

treffen kann. (Normalerweise nenne ich sie „Teilchen“, weil ich eher so der romantische Typ bin.) Ein Ort, an

dem ich mit ihnen und mit mir SEIN kann. Und mit niemandem sein muss. Ein sicherer Ort. Ein

Wunderland außerhalb meines Kopfes.

Wirklich, es ist nicht viel: schlafen, essen, vögeln, hin und wieder besoffen sein, Geschichten und

Musik hören, Gedanken konservieren und rausfinden, wo die Grenzen meines Hirns liegen.

Ungefähr in dieser Reihenfolge … Ich brauche keinen Erfolg, keinen Job, kein Geld, ich will mich

nicht reproduzieren, ich will nur sein, nur leben, bis ich tot bin. Memento mori, so wie ich es

verstehe. Natürlich. Also lebe ich – zumindest dann, wenn ich es schaffe, mir auszuweichen.

Natürlich.

 


 

Ich liege im Dreck und höre mir beim Verbluten zu. Es ist das Einzige, das ich noch tun, das ich

noch entscheiden kann: zuhören oder weghören. Alles, was noch in mir gelebt hat, ist vergangen –

alles, was zumindest die Chance hatte, eines Tages ein Jemand zu werden. Die, die ich geworden

bin, die wir gemeinsam geschaffen haben, ist fort. Als wäre sie nie da gewesen.

Es war so schwer, sie festzuhalten, so schwer, sie nicht sterben zu lassen … und ohne dich ist

einfach nicht genug Kraft da. Sie ist fort und nichts ist mehr übrig. Also liege ich hier und höre

meinem Blut beim Fließen zu. Ich möchte nicht so gehen … Ich möchte wenigstens wissen, wofür

ich sterbe. Ich weiß, warum ICH alles aufs Spiel gesetzt habe, ich weiß, dass ich es wieder tun

würde. Immer und immer wieder. Kein Zögern. Keine Reue. Aber ich muss wissen, was du für mich

bekommst. Ich muss wissen, was so wertvoll ist, dass du bereit bist, mit mir dafür zu bezahlen …

Und ich lächle. Weil ich ohne Kraft kämpfe. Weil ich sogar in Gedanken um mein Leben kämpfe –

ein Leben, das mir nie viel bedeutet hat, ein Leben, das ich schon zu oft verloren habe. Ich lächle,

weil ich trotz allem immer noch um dich kämpfe.

 


 

Ich kann nicht glauben, dass wir daran scheitern … Ich habe so viele Hindernisse gesehen und ich habe nie vergessen, dass eins davon zu groß für uns sein könnte. Aber wir sind gescheitert, bevor wir überhaupt angefangen haben. Ich habe an uns geglaubt, aufrichtig, und ich tue es noch immer. Ich kann es nicht ändern, egal wie sehr es mich zerreißt.

Ich versuche nicht, mir einzureden, dass ich darüber hinweg kommen werde. Ich weiß, ich werde es nicht. Aber eines Tages vielleicht wirst du nur noch einer von vielen sein, ein weiterer Verlust, ein weiterer Beweis für mein Versagen, einfach nur ein weiterer Strich auf dieser viel zu langen Liste. Dieser Gedanke tröstet mich ebenso sehr, wie er mein Herz auffrisst. Ich will dich nicht auf dieser Liste haben. Aber ... Ich. Kann. Nichts. Tun. Und du bist noch da, doch du warst es nie.

 

Das Schlimmste ist, dass ich jetzt sehe, dass es nicht die Umstände sind, die uns zerstören. Ich bin es. Du bist es. Ich, weil ich bin, wie ich bin, und nicht wie ich sein möchte. Und du … es ist deine Sturheit, dein Stolz, deine mangelnde Zuneigung, dein Fatalismus, deine Schwäche, die du nicht siehst, dein fehlender Wille, wirklich zu SEIN. Und obwohl ich all das sehe, bin ich nicht wütend, ich spüre kein bisschen Hass, keinen Zorn … ich bin immer noch dein. Vielleicht sogar noch mehr, als zuvor. Doch was geschieht mit ungewollten Geschenken? Sie verschwinden in einer dunklen Ecke und verstauben ... bis sie selbst Staub werden.

 


 

Es gibt Dinge in dieser Welt, die größer sind als wir. Damit meine ich keinen Gott, keine übernatürliche Macht oder dergleichen. Ich meine wirklich in dieser Welt.

Prinzipien können eine nützliche Sache sein. Sie helfen uns, schneller Entscheidungen zu treffen. Geben Orientierung in Wertesystemen. Sie können Ordnung schaffen in dieser chaotischen Welt. Sie nehmen uns manche unserer Ängste. Sie gaukeln uns Sicherheit vor, wo keine sein kann. Und das ist meistens eine gute Sache. Aber sobald wir sie zur unumstößlichen Wahrheit machen, hindern sie uns am Leben. Sie lassen uns Entscheidungen treffen, die wir uns nicht leisten können, weil menschliche Leben zu kurz sind, weil wir nur ein einziges Leben haben. Das vergessen wir gern, weil es eine unbequeme Tatsache ist, weil es uns so schwerfällt zu glauben, dass wir eines Tages einfach verschwinden. Wir, die wir uns so groß, so unsterblich fühlen … Prinzipien haben die Kraft uns zu lebenden Toten zu machen. Sie können uns vergessen lassen, was es heißt zu leben. Dass es Dinge gibt, die Risiken wert sind. Die es wert sind, etwas zu tun, das wir fürchten. Dinge, die größer sind als wir.

Ich glaube, eines dieser großen Dinge sind Beziehungen. Manchmal treffen wir Menschen, die uns lehren können, was wir uns selbst nicht beibringen können. Sie bringen uns voran – manchmal indem sie alles infrage stellen, was wir glauben. Sie erinnern uns daran, dass nichts gewiss ist in dieser Welt. Daran, dass Leben heißt, immer wieder Neues zu tun und auch zu denken. Daran, dass wir sterben und wir nur ein einziges Leben haben. Und diesem sollten wir alles entreißen, was wir ihm nur abringen können.

 



 

 

Du fehlst. Alles in mir ist tot. Ruinen im Kopf. Ich schleppe mich durch eine Geisterstadt und Asche brennt in meinen Augen. Überall Überreste meiner Gedanken. Steinhaufen im Niemandsland. Da hinten liegt mein Herz. And after all you're my wonderwall.“1 Wenn ich noch Kraft hätte, würde ich mich auslachen. Aber ich habe keine Kraft mehr. Es fühlt sich an, als wäre es nicht das erste Leben, das ich lebe … aber das letzte.

 

 

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1 Oasis – Wonderwall

 


 

Es ist schwer zu ertragen, dass du mich ablehnst. Es ist schwer zu akzeptieren, dass ich einfach nur geglaubt habe, was ich glauben wollte. Es ist nahezu unerträglich, dir dabei zusehen zu müssen, wie du einen Fehler machst, vor dem ich dich schützen könnte. Aber mitansehen zu müssen, wie alles zusammenfällt, zerreißt mich wirklich. Alles, was ich durch dich zu tun gelernt habe, löst sich auf. Weil es auf Sand gebaut wurde. Aber es wäre möglich gewesen, weißt du? Wir hätten aus diesem Sand ein echtes Fundament machen können. Doch dafür ist es wohl zu spät. Ich bin da, wo ich angefangen habe. So viele Jahre sind einfach verpufft ... und der Staub der Trümmer rieselt durch meine Hände.

Ich weiß, dass du das nicht wolltest. Ich weiß auch, dass es nur funktioniert hat, weil du da warst, als ich jemanden wie dich brauchte. Es ist nur einfach so, dass ich nichts vom dem erhalten kann, wenn ich weiß, dass du doch nicht der warst, den ich brauchte …

 

 


 

In dieser Welt gibt es keine Geschenke, alles hat seinen Preis. Und ich bin pleite.

 

 

Ich kann nur noch laufen. Ich habe lange durchgehalten. Sehr lange. Nicht lange genug. Jetzt liege ich doch auf dem Boden. Ich bin gerannt und gerannt und gerannt, im Zickzack, geradeaus, vor und zurück, habe Haken geschlagen und war immer einen Hauch schneller … und dann hat sie mich doch erwischt. Ich glaube, ich bin in einen Hinterhalt geraten, ich bin ihr auf den Leim gegangen, wie man so schön sagt. Und jetzt liege ich auf dem Boden, habe Sand in den Augen, atme Staub – und die Realität steht triumphierend über mir und lacht. Tja, mal gewinnt man, mal verliert man. Oder in meinem Fall: „I'm a loser, baby, so why don't you kill me?“1

 

 

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1 Beck – Loser

 


 

Mir ist kalt. Furchtbar kalt. Ich wünschte, ich könnte weinen. Ich wünschte, ich wäre wütend. Ich wünschte, ich könnte glauben, dass du ein Idiot bist. Denn es ist so einfach: Du bist ein Idiot – oder ein Lügner. Entweder hast du mich, dich oder uns beide belogen, oder du bist eben ein Idiot. Weil wir ein Spiel spielen, das man nur gewinnen kann – und du gibst auf.

Ich habe versucht, alles zu verstehen. Ich habe versucht, dir zu glauben. Ich kann es nicht. Ich kann nicht, ich kann nicht, ich kann nicht.

Alles in mir schreit danach, etwas zu tun. Irgendetwas. Aber da ist nichts, ich bin nur ein bisschen toter. Ich glaube, mein Gefühlskochtopf ist übergekocht und alles, was bleibt, sind verbrannte Reste. Nutzlose, verbrannte Reste, die einfach nur die Luft verpesten …

Aber ich bin noch da ... und meine Hände sind leer. Alles ist leer. Wenn ich die Augen schließe, sehe ich das „Nein“ vor mir hin- und herschaukeln. Wenn ich die Augen öffne, ist es immer noch da. „Nicht genug, nicht genug, nicht genug.“, ich kann nicht aufhören, es zu denken. Ich habe mich in meinen Gedanken verlaufen. Ich höre dich flüstern: „Sinnlos … sinnlos … sinnlos.“ Es gibt nichts mehr, was ich tun kann. Nur noch die Minuten zählen, bis die Zeit abgelaufen ist, und dann muss ich gehen. Fort, einfach fort. Ich werde noch da sein, aber ich werde einen Teil von mir zurücklassen müssen. Wenn es wenigstens einen Grund gäbe, irgendetwas, damit ich weiß, wofür ich einen Teil von mir töten muss. Nein, es gibt nur „nein“. Ein „Nein“ und ein „Ich“ ist tot … Aber ich will nicht weglaufen. Weil du wichtig bist. So wichtig, dass ich alles getan habe, was ich konnte. So wichtig, dass ich die Angst besiegt habe. So wichtig, dass ich immer noch da bin. Trotz allem. Ich werde nicht weglaufen. Ich werde es ertragen. Ich werde verlieren, aber ich werde bleiben, bis ich auf dem Boden liege. Es fühlt sich an, als müsste ich mit einem gebrochenen Bein auf einem Laufband rennen. Die Schmerzen sind unerträglich, aber wenn ich mit dem Laufen aufhöre, werde ich fallen und ich weiß einfach nicht, wie tief. Ich könnte es beenden, wann immer ich will, aber ich werde weiterlaufen – bis du mich runterschubst. Und ich höre dich flüstern: „Sinnlos … sinnlos … sinnlos.“

 

 


 

Es fühlt sich an, als würdest du sterben … Und ich kann nichts tun. Nicht weil es nichts gibt, das ich tun könnte, sondern weil du nicht leben willst. Ich will nicht, dass du stirbst. Ich will nicht vor dir sitzen müssen – nur das Ticken der Uhr im Ohr. Ich will nicht daran denken müssen, wie ich ohne dich weitergehen soll. Ich würde dich so gern schütteln und dich anschreien und dir sagen, dass es geht. Dass es einen Weg gibt. Dass es sich lohnt zu leben. Aber ich sitze hier, sehe dir ins Gesicht und höre die Uhr ticken. Deine Uhr. Tick-tack-tick-tack-tick-tack.

 


 

Bald werde ich nicht zurückkommen. Bald muss ich deine Hand loslassen und allein gehen. Ich glaube nicht, dass ich es kann. Ich werde stürzen und kriechen müssen. Wie sollte ich mich auch aufrichten, wenn ich allein in der Leere zurückbleibe? Du bist so viel mehr als mein Anker, mein unechter Freund. Aber wir sind gefangen in einem Konstrukt aus Worten, das keinen Ausgang hat. Und wenn ich gehe, löst sich ein Teil von mir auf ... und es gibt keinen Weg zurück. Ich habe es satt loszulassen ... immer, immer, immer wieder loslassen zu müssen ist mehr als ich tragen kann. Vielleicht muss es so sein, vielleicht muss ich allein sein, vielleicht gibt es immer nur einen Weg, nur eine Richtung ... Vielleicht bin ich auch einfach nur zu blind, um einen einen anderen Weg zu sehen. Kannst du mich nicht einfach festhalten, bis es zu spät ist?

 


 

Viel von dem, was ich schreibe, existiert nur noch virtuell. Eine Weile wollte ich krampfhaft am handschriftlichen Schreiben oder der Schreibmaschine festhalten, weil mir das irgendwie stilvoller, intellektueller erscheint. Ehrlicherweise muss ich aber zugeben, dass mir gerade das Schaffen von rein virtuellen Dingen wesentlich besser steht. Wenn man Dinge produziert, die reell nicht existieren, ist es ein bisschen so, als wäre man ein Geist. Und zumindest mein schreibendes Ich ist wohl wirklich eine Art Geist. Ein Geist, der Fußabdrücke hinterlässt – aus Einsen und Nullen. Sein durch „Unsein“ sozusagen.

 


 

Ich möchte wieder in Papier ertrinken. Mich verzetteln. Mich, Wort für Wort, neu erfinden. Meine Finger wollen tanzen, meine Gedanken wollen Loopings schlagen, mein Körper will vergessen werden. Nur ein bisschen, nur ein paar Tage, um endlich wieder Kraft zu tanken. Aber ... aber.

Vielleicht ist einfach alles aufgebraucht. Vielleicht kann ich „das“, vielleicht kann ich dieses „Mich“ nicht wiederbeleben.

 

Ich laufe immer wieder gegen die selbe Wand. Bam. Bam. Bambambam.

 


 

Ich bin ein Hamster in einem eckigen Laufrad. Ich stecke fest. In mir selbst. Irgendwie. Ich weiß nicht, wie es weitergeht, weil ich nicht weiß, ob es weitergeht. Meine Gedanken schwirren zu schnell durch mein Hirn und ich erwische sie einfach nicht. Ich kann mein Denken nur erahnen. Ich würde gern etwas tun. Einfach nur, um etwas zu tun. Um das Warten auf was-weiß-ich irgendwie erträglicher zu machen. Aber ich sitze hier. Zwinge mich, Sätze zu schreiben, die kein Ziel haben. Ich fühle mich eingesperrt und ich weiß nicht mal, ob es überhaupt eine Tür nach draußen gibt. Ich versuche darüber nachzudenken, ob ich überhaupt Wünsche habe, aber meine Gedanken sind wie Schmetterlinge. Hässliche Schmetterlinge. Motten. Manchmal glaube ich, dass nichts mehr da ist. Dass es nicht weitergeht, weil niemand da ist, der gehen könnte. Ich habe Schmerzen und fühle nichts. Ich würde gern leben, aber ich weiß nicht, wie es geht. Ich würde so gern etwas tun ... aber ich kann nicht. „'Ich kann nicht' wohnt in der 'Ich-will-nicht-Straße'“ wurde mir mal gesagt. Vielleicht stimmt es. Vielleicht aber wohne ich auch einfach nur in der Ich-kann-nicht-Straße ... in der Ich-bin-nicht-Stadt.

 


 

Ich sitze vor der Steckdose und stecke meinen Finger rein. Immer wieder und immer wieder und immer wieder. Und ich wundere mich, dass ich im Dunkeln sitze. Ich bin ein Haufen Nichts im Dunkeln. Ich bin noch da. Ich bin noch da. Ich bin noch da. Ich bin noch da. Aber ich war noch nie.

Mein gekaufter Freund ist kein Freund, ich bin nur eine Nummer, und was einmal stimmt, stimmt immer. Ich soll lernen, mich zu mögen, Wert in mir zu sehen, aber was soll ich wertschätzen, wenn nichts da ist? Nichts ist weder gut noch schlecht, Nichts ist nichts.

Ich frage mich, wie weit ich kommen kann. Wie weit ich mich an ein menschliches Wesen annähern kann. Vielleicht war's das einfach. Vielleicht geht es in diese Richtung einfach nicht mehr weiter. Vielleicht geht es nur noch rückwärts. Vielleicht reife ich nicht, vielleicht verwese ich nur. Vielleicht ist das auch alles scheißegal. Ich bin noch da.

 


 

Mein Kopf ist leer, weil alle mich verlassen haben. Weil ich nicht mehr an sie glaube. Niemand ist übrig. Und jetzt ... bist du da. Einfach so. Ich weiß nicht, was ich fühle, nur was ich fühlen sollte. Es ist ein bisschen so, als wäre ich in die Falle getappt, die ich mir selbst in mühevoller Kleinarbeit und mit zu viel Liebe zum Detail gestellt habe. Ich kann nicht aufhören an dich zu denken und ich weiß nicht, ob es an dir liegt oder daran, dass mein Wunderland so verflucht leer ist, dass es dort im Moment kaum Einlassbeschränkungen gibt. Die anderen fehlen mir. Und echte Menschen sind, na ja, gruselig und ... echt. Mein Leben ist ein Witz. Ehrlich.

 



Wer bin ich? Seit annähernd zwanzig Jahren stelle ich mir diese Frage und ich weiß noch immer keine Antwort darauf. Manchmal glaube ich, ich habe diesen magischen Zeitpunkt im Leben eines Menschen verpasst. Den Moment, in dem man vom Menschen zur Person wird. Und dann glaube ich, dass es dafür keine zweite Chance gibt. Alles oder nichts. Verpasst, vorbei und ich bin nichts.

Mein Hirn ist voller Konjunktive und alles dreht sich im Kreis. Ich war nichts, ich bin nichts und ich werde immer nichts sein.



 

Meine Gedanken kreisen immer noch um das Buch, das ich niemals schreiben werde. Ich bringe nichts zu ende, fange ständig neue Dinge an und stürze mich auf alles, wirklich alles, was irgendwie damit zu tun hat. Ich ertränke mich in Informationen, in Gefühlen, ich werde besoffen von meinen Gedanken. Alles kann die Droge sein, die dich zerstört. Ich treibe es meistens so lange, bis ich kurz vor der Auflösung stehe. Manchmal stürze ich mich auch die Klippe runter, nur um gleich wieder hoch zu rennen und noch mal zu springen. Hin und wieder höre ich das Knacken meines Schädels, wenn er unten aufbricht. Dann weiß ich, dass es zu viel war... aber nicht einmal das lässt mich aufhören. Alles schwirrt und kreischt und dreht sich, ich rase rauf und runter und schlage Loopings, es ist einfach zu viel Leben für einen Körper... und dann, ganz plötzlich ist da nur noch Leere. Langeweile, Erschöpfung und die Suche nach dem nächsten Trip, die niemals erfolgreich ist. Niemals. Ich liege auf dem Boden und starre ins Leere. Ich bin tot. Nichts hat Bedeutung. Ich bin zu träge, um mich umzubringen. Alles ist egal. Zombiemodus. Und dann, irgendwann, nachdem ich mich wieder in den Alltag geschleppt habe und funktioniere und fast vergessen habe, dass ich tot bin, trifft mich irgendeine Welle und reißt mich mit und ich lasse mich dämlich grinsend in den nächsten Abgrund spülen.

 



Manchmal glaube ich, ich kann nicht mehr. Manchmal fühle ich mich wie ein viel zu alter Veteran, als wäre mein gesamtes bisheriges Leben Krieg gewesen. Manchmal schreibe ich auch pathetische Scheiße. Heute ist ein Blei-Tag. Ich glaube, ich habe in den letzten Tagen versucht, eine alte (und irgendwie auch liebgewonnene) Besessenheit „künstlich“ auszulösen, zu stimulieren, aufzuwecken, was auch immer. Ich glaube das, weil ich spüre, dass ich schreiben muss und genau weiß, dass ich in diesen Tagen nicht schreiben kann. Nicht wirklich jedenfalls. Keine Ahnung, ob das stimmt. Manchmal mache ich wirklich dummes Zeug und das würde irgendwie ins Schema passen. Blei. Als hätte irgendeine hinterhältige Kreatur meine Zeit angehalten, nichts passiert, vor allem nicht in mir.




Ich habe meinem gekauften Freund heute gesagt, dass er mir ein Freund ist, obwohl ich weiß, dass er es nicht sein kann. Ich habe mehr als dreieinhalb Jahre lang versucht, es zu sagen. Ich konnte nicht, ich wollte nicht, ich hatte Angst, ich hab mich geschämt. Jetzt ist es gesagt, nichts ist passiert, alles ist verändert. Ich schäme mich immer noch, ich habe immer noch Angst. Ich wollte doch nur, dass er aufhört an sich zu zweifeln, ihm sagen, dass er mir hilft, eben weil er sich „echt“ verhält. Und ich wollte auch „echt“ sein. Nur einmal, nur einen Moment.



 

Ada war ein bisschen tot in den letzten Monaten. Den Winter hat sie in ihrem Hirn verbracht, den Sommer in einem fremden Leben. Heute ist sie ein bisschen da. Nicht ganz. Eben so wie es ist, wenn man gerade aufwacht. Du hast sie mal wieder geweckt, wie du es eben von Zeit zu Zeit tust. Vielleicht war es einfach zu viel für sie in den vergangenen Monaten. Vielleicht auch zu wenig. Manchmal geht sie eben weg und kommt dann wieder. Meistens steht sie plötzlich vor mir und schreit mir ins Gesicht. Dieses Mal hat sie sich angeschlichen und ich weiß noch nicht, ob ich wieder mit ihr reden möchte. Sie hat mir gefehlt, weil ich mich kalt und leer und tot fühle ohne sie, aber mit ihr ist alles immer so ... voll. Der Herbst steht vor der Tür und hat ein neues Leben im Schlepptau. Ich weiß nicht, was auf mich zukommt; Euphorie – Panik – Euphorie – Panik – Euphorie – Panik usw. Ich glaube, mir wäre es lieber, wenn Ada noch ein bisschen länger tot sein könnte.

 



They called me brave

Never saw why

As I'm just a slave

To an unsung lullaby

I refuse to talk

Eyes always closed

I hide in the dark

Heart never exposed




Thinking about

What to say

Hiding in books

Everyday

Nothing inside the core

My body's my minds whore

No words left,

Just Broken fingers

Which once were deft

Simply to linger

Over dreams

Never aware of

Alarm screams



 

Das war's. Es ist frei und lebt nun losgelöst von mir, irgendwo ... an Orten, die ich niemals sehen werde. Meine Gedanken lassen sich in diesen Tagen nicht fangen. Alles entgleitet mir. Jetzt sollte ein neues Leben beginnen, aber ich habe noch keines gefunden. Wieder stecke ich fest und weiß nicht, was zu tun ist. Nicht mal, was ich tun will. Und die Erde dreht sich immer noch. Du hast mir ein Herz gegeben und es zerbrochen. Jetzt liegt es in der staubigen Ecke neben mir und starrt mich mit großen Augen an. Was tun? Warten, weiter warten, immer warten. Jemand sagte mir mal, wir würden die gleichen Fehler so lange machen, bis wir aus ihnen gelernt hätten. Damals habe ich es geglaubt. Heute weiß ich, dass wir so lange die gleichen Fehler machen, bis wir vergessen haben, dass es Fehler sind.

 


 

Alt ...

Als lägen hundert Leben hinter ihm

Sein Blick: trüb

Seine Hoffnung: tot

Lebt nur in seinem Kopf

Flüchtet vor dem Jetzt

Dort gibt es keinen Halt

Hält fest an seiner Jugend,

Die es nie gab

An Erinnerung von Dingen, 

Die ungeschehen sind.

Er ist allein... er ist leer.

Er ist nicht traurig.

Er kann nicht weinen.

Er kann nicht schreien.

Er steht im Nichts

Um ihn strömt das Leben der Anderen

Wie das Meer ...

Und er wünscht sich,

Wünscht sich so sehr

Er könnte in ihnen ertrinken.

 


 

Nur die Leere ist zurückgeblieben. Nichts ist mehr übrig. Es gibt nur noch eines zu sagen und das wird nicht gehört werden. Ich sehe nur noch deinen Schatten. I can't reach you.* Du fehlst mir und ich weiß nicht, ob du zurückkommst ... irgendwann. I'll fight to the last breath.** Das habe ich versprochen. Gelten ungehörte Versprechen? Ist das die Wahrheit, vor der ich mich gefürchtet habe? Hat die Realität mich eingeholt? Mich? Ausgerechnet mich, die die Realität nie akzeptiert hat? Then I run away to wonderland, disappear without a trace ...***

 

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* Morrissey: Life is a pigsty

** The Smiths: Hand in glove

*** Placebo: Bosco


 

Heute habe ich den Geschmack von Blei im Mund. Ich würde gerne sagen, was ich denke, aber ich glaube, ich denke heute nicht. Worte wabern um mich und mein Körper ist zu träge, um sie zu fangen. Du bist noch immer nicht zurück. Ich muss noch immer warten. Es ist, als würde ich zwischen zwei Leben feststecken. Das ist neu. Glaube ich. Was ist, wenn du nicht zurückkommst? Was ist, wenn es mir irgendwann egal ist? Du fehlst ... ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass du ein Teil von mir warst. Vielleicht möchte ich nur so sehr, dass dein anderes Ich mich sieht, weil ich glaube, dass du dann zurückkommst. Zumindest ein anderes Du. Wie konnte ich nur zulassen, dass er dich tötet? Vielleicht ist das die falsche Frage. Vielleicht sollte ich mich lieber fragen, wie ich zulassen konnte, dass du lebendig wirst.

 



Ich habe mich aus meinem Versteck gewagt und schwenke vorsichtig ein weißes Fähnchen. Zum ersten Mal sehe ich Sonnenlicht und ich weiß nicht, ob es mir gefällt. Draußen ist es nicht sicher. Manchmal muss man Dinge tun, die man nicht tun will. Manchmal muss man etwas wagen. Man sollte nur wissen wofür.



 

Die Welt steht still und ich stecke fest. Ich verlange von mir, dass ich warte. Noch 22 Tage. Ich. Mir mangelt es an Vielem, aber der Mangel an Geduld ist eine ganz besonders hervorstechende Eigenart. Ich will immer alles sofort und ganz und gar. Ich habe noch nie etwas ganz und gar bekommen und schon gar nicht sofort. Oh, well, I'll never learn.* Ich bin wohl so, das weiß ich, aber das heißt natürlich nicht, dass ich nicht ständig Dinge von mir verlangen würde, die ich nicht erfüllen kann. Manchmal bin ich mir sicher, dass ich das nur mache, um mir wieder und wieder zu beweisen, dass ich wirklich der größte Versager bin, der je auf Erden gewandelt ist. Tja. Und jetzt warte ich. Hoffe, dass ich durchhalte und warte. Warte darauf, den nächsten Schritt zu gehen, obwohl es bereits der dritte ist und ich ursprünglich nach dem ersten aufgeben wollte. Eigentlich wollte ich die Trauerphase inzwischen überwunden haben, aber ich habe noch nicht mal mit dem Trauern begonnen. Ein wenig, natürlich, aber das ist gewissermaßen eine Grundhaltung.

Seit ich denken kann lebe ich auf der Grenze zwischen der wirklichen Welt und dem Wunderland in meinem Kopf. Es ist ganz und gar logisch, dass das äußerst absurde Gefühle hervorbringt. Ich dachte wirklich, ich sei inzwischen ein alter Hase und käme mit dem Wirrwarr einigermaßen zurecht, doch dieses Mal ist es anders (natürlich). Ich glaube, dass ich dieses Mal so sehr an der Grenze rumgerüttelt habe, dass alles aus dem Gleichgewicht geraten ist. Menschen aus meinem Wunderland sind irgendwie in die echte Welt eingedrungen und das stellt wirklich alles auf den Kopf. Es fällt zunehmend schwerer, die Dinge auseinanderzuhalten. Und manchmal frage ich mich, ob es nicht sinnvoller wäre mein Köfferchen zu packen und endgültig in meinen Kopf zu ziehen. Ich könnte mich wieder einsperren lassen, was vor allem heißen könnte, die Welt auszusperren. Reizvoll, durchaus. Aber ich bin nicht nur ungeduldig, sondern auch maßlos trotzig. Ich werde bleiben, in der Realität und im Leben, bis ich endlich das bekommen habe, worauf ich schon mein Leben lang warte. Das, was alles in den Schatten stellt und mich wissen lässt, dass ich diesen furchtbaren Scheiß dafür ertragen habe. Ich habe einen hohen Preis bezahlt und es steht mir zu. Ich glaube nicht daran, aber ich erwarte es. Wie gesagt, ich bin maßlos trotzig. Ich mache mir viel vor, aber grundsätzlich bin ich dennoch Realist (und ich bin mir in diesem Moment dieser Absurdität vollkommen bewusst). Ich bin, wer ich bin, auch wenn das heißt nicht zu wissen, wer ich bin. Ich bin noch da. Die Welt wird niemals fair sein, weil es nicht in ihrer Natur liegt, sie kann nicht fair sein. Die Menschen werden für mich immer merkwürdig, rätselhaft und größtenteils abstoßend sein – so wie ich es für sie bin. Ich werde niemals normal sein, niemals einer von ihnen. Man kann nicht reparieren, was niemals funktioniert hat. Aber vielleicht und das ist mein kleinster und vielleicht mein einziger realistischer Wunsch, werde ich eines Tages ein klein wenig zufrieden sein. Mit dem Leben. Mit mir. Vielleicht werde ich eines Tages sagen können, dass ich ein Jemand bin.


 

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* Morrissey: Oh well, I'll never learn 


 

Ich wünschte, ich hätte eine Stimme. Ich wünschte, ich hätte eine Geschichte, die ich in die Welt schicken könnte. Ich habe nur Worte, die nicht zusammengehören. Sie kommen aus dem Nichts und gehen zurück ins Nichts. Kein Ziel, kein Sinn. Sie wabern durch das Sein – genau wie ich. Am Ende bleibt nichts übrig. Stille, die schreit, ist trotzdem nur Stille.  

 


 

Ich bemitleide mich selbst und warte. Warte darauf, dass etwas Gutes passiert. Etwas, das mich denken lässt: „Das war es wert.“ Das wäre gerecht. The world is neither fair nor unfair.* Die Wahrheit ist, dass ich so überlebt habe. Ich habe immer nur darauf gewartet, dass endlich, endlich etwas Gutes passiert. Weil es gerecht wäre, weil ich genug dafür bezahlt habe, weil ich nicht weiß, was ich sonst tun soll. Ich bin einfach nur da. Ich nehme mein Leben nicht in die Hand, wie man so schön sagt; Ich übernehme keine Verantwortung. Ich lasse mich einfach nur treiben und wenn ich auf Widerstand stoße, wechsle ich die Richtung. Der einzige Unterschied zwischen einer Amöbe und mir ist, dass ich mich nicht selbst reproduzieren kann, und das ist sicher auch ganz gut so.

Es ist so absurd, dass ich es einfach nicht leid werde zu warten und auf bessere Zeiten zu hoffen. Es wird nicht geschehen. Ich weiß das. Aber ich habe einfach keine Kraft irgendetwas zu tun. Wie soll man ein Leben ändern, das keines ist? Wie soll sich jemand ändern, der kein Jemand ist? Ich bin nur da, ich überlebe. Ich warte und hoffe und tue mir selbst leid. There is another world, there is a better world, well ... there must be.**

 

 

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* The Cure: Where the birds always sing

** The Smiths: Asleep

 

 


 

Ich fühle mich verraten ... betrogen und verlassen. Verschwendet. Es gibt keinen Grund dazu, aber das ändert nichts. Ich wollte heute nach einem Strohhalm zu greifen, stattdessen bin ich in das Loch gefallen, das darunter verborgen lag. Ich falle immer noch. Irgendwann werde ich unten ankommen, zerbrechen und eine Weile liegen bleiben. Dann werde ich einer neuen Stimme folgen und alles vergessen, was war. Ich werde lesen können, was ich fühlte, aber ich werde es nicht mehr verstehen. Ich werde ein anderer Mensch sein und nicht glauben können, dass ich das hier geschrieben habe. Das ist in Ordnung, denn das muss es sein. Ich habe mich schon so oft verpuppt und wurde neu geboren. Ich wünschte nur, ich hätte dieses Mal die Geschichte beenden können; Ich hätte so gern das Buch zugeklappt und mich ein Weilchen zurückgelehnt bis das nächste Leben mich abholt.

 


 

Ich glaube, die meisten Menschen wissen nicht, wovon sie reden, wenn sie von Einsamkeit sprechen. Vielleicht, so wie ich nicht weiß, wovon ich rede, wenn ich über Liebe spreche. Manchmal bin ich mir ganz sicher, dass wir nicht dasselbe meinen, wenn wir „Liebe“ sagen – ich und die anderen. Kein Mensch weiß, was Liebe ist, aber man hat etwas Bestimmtes im Sinn, wenn man das Wort ausspricht.

Liebe ist nichts. Ein Wort, hinter dem sich alles verstecken kann, ist ein leeres Wort. Liebe ist ein nützlicher Mechanismus, der uns aneinander bindet. Jemanden lieben heißt, sich jemandem anzuschließen, eine Gruppe zu bilden; eine Gruppe ist stärker als ein Einzelner. Eine Gruppe hat höhere Überlebenschancen. Zu einer Gruppe zu gehören, bedeutet nicht einsam zu sein.

Vielleicht bin ich nur einsam, weil ich nie verstanden habe, was die anderen mit Liebe meinen. Vielleicht bin ich einfach ein Idiot, der immer noch an Märchen glaubt, der Träume für wahr hält, der immer noch nach Luftschlössern sucht. Das dumme kleine Mädchen, das nicht aufhören will, auf den Prinzen zu warten. Oder auf die Prinzessin, da bin ich nicht so. Allein der Gedanke löst in mir Brechreiz aus. Ich bin kein Romantiker. War es nie und vor allem: wollte es nie sein. Ich möchte kein totes Gestrüpp geschenkt bekommen, Liebesfilme lassen mich flüchten und ein Essen bei Kerzenschein treibt mir einen Schauer nach dem anderen über den Rücken. Aber wenn ich ehrlich zu mir bin (und manchmal bin ich das tatsächlich): Ich bin hoffnungslos romantisch. Ich träume immer noch von einer Liebe, die es nicht gibt. Von einem Menschen, den ich so lieben kann, wie ich lieben möchte. Einem Menschen, der mich wirklich versteht, und trotzdem besser mit dem Leben klarkommt als ich. Einem Menschen, der weiß, wovon er redet, wenn er von Einsamkeit spricht.

Manchmal erahne ich so etwas in anderen Menschen … Diese Menschen halte ich für besonders, für wertvoll – irgendwie erscheinen sie mir besser als der dumpfe Rest. Aber da ich gerade in der Stimmung für Ehrlichkeit bin: Sie sind doch nichts als Clowns. Spinner, Träumer, Narren, die den nützlichen Rest der Menschheit bei Laune halten. Vielleicht ist es so einfach. Vielleicht muss ich mich nur endlich entscheiden, auf welcher Seite ich stehen möchte.

 


 

Ich bin verletzt, gekränkt, am Boden zerstört, ich bin der größte Versager, den es je gab, die Welt liegt in Trümmern, wieder mal ... I know I'm unloveable, you don't have to tell me. Und ich bin wütend, furchtbar wütend, weil ich mich fühle wie ich mich fühle. Das Kind verhält sich wie ein Kind und das Hirn ist fassungslos. Quillt über vor Scham. Es würde das Kind gern endgültig vor die Tür setzen. Beschissenerweise gibt es keine Tür. Und die Göre hört nicht auf zu nerven, zippelt an der Kleidung und versteht die Welt nicht mehr. Sie hofft und heult, hofft und heult, hofft und heult und will einfach nicht begreifen, dass die Welt eben nicht so ist. Die Welt ist nicht wie sie sein sollte; Menschen sind nicht wie sie sein sollten. Das Leben ist kein Ponyhof und so. And love is just a miserable lie.**

 

 

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* The Smiths: Unloveable

** The Smiths: Miserable lie

 

 


 

Ich bin das Kaninchen vor der Schlange. Ich kann nicht fliehen, ich kann mich nicht verstecken. Es gibt keinen Ausweg. Ich bin erstarrt. Waiting for the next great wound.* Eines Tages werde ich mich diesem Gefühl stellen müssen. Die Realität sehen müssen. Weitermachen müssen. Ich kann nicht ewig hier sitzen und zittern. Es geht weiter, immer weiter, immer weiter, immer weiter. Du kommst mit oder du bleibst zurück.



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* Morrissey: Nobody loves us

 


 

Ich stehe immer noch vor der verschlossenen Tür. Das Einzige, das mich trösten kann, das Einzige, das mich meine Einsamkeit zumindest für eine Weile vergessen lässt, ist dort drin. Ich bin gefangen in der Realität, muss ununterbrochen in einer Welt leben, in der ich nicht sein kann. Ich weiß nicht, wie lange ich das noch ertrage. Es ist als könnte man nicht schlafen, tagelang, wochenlang. Ich hab mich tief in meiner hässlichen Hülle verkrochen und nichts dringt zu mir durch. Ich bin allein und kann die Augen nicht schließen. She knows where to hide in the dark.* Aber sie weiß nicht, wie sie wieder rauskommt. She's been in disguise forever.* Es gab solche Phasen schon häufiger, aber ich habe den Schlüssel immer wiedergefunden. Ich weiß nicht, wie lange diese Phasen gedauert haben, ich kann mich an diese Zeiten nie erinnern. Es ist als läge ich im Koma, ich bin nur noch irgendwie da, aber ich bin nicht real. Ich habe Angst. Was ist, wenn es so bleibt? Ich wäre schon lange nicht mehr hier, wenn es diese Welt nicht gäbe. Sie ist mein einziger Rückzugsort, nur dort kann ich atmen, nur dort bin ich „ich“. This terror's all within my head.** Es muss vorübergehen. Es muss.



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* James: She's a star

 ** James: Lose control



Alles ist anders, nichts hat sich verändert. Es war, wie es sein sollte. Alles war falsch. Wenn Dinge zu schön sind, um wahr zu sein, dann sind sie nicht wahr. Dafür war kein Ende vorgesehen, aber es ist vorbei. Einfach vorbei. Endgültig.



 

Mein Ego ist ein Chamäleon. Mir ist klar geworden, dass ich nicht kritikfähig bin. Damit meine ich nicht, dass ich Kritik nicht annehmen kann; Ich meine damit, dass ich Kritik zu sehr annehme. Wer auch immer mich – warum auch immer – kritisiert, es wird augenblicklich zu meiner neuen Wahrheit. Natürlich muss derjenige Recht haben, es ist sogar noch viel schlimmer, als er vielleicht denkt. Mein Ego hängt sein Fähnchen in jeden Wind. In so einem Moment stellt sich mir noch nicht einmal die Frage, ob die Kritik angemessen ist, ob sie wahr sein könnte, wer derjenige ist – nichts davon spielt eine Rolle. Mein Kopf und damit die Fähigkeit kritisch zu denken schaltet sich einfach ab. Strom aus. Und da schreit es auch schon, das jämmerliche Kind, das sich „mein Herz“ nennt. Es ist egal, ob es wirklich verletzend war oder nicht, das Kind zerbricht, weil es eine Wahrheit sieht, die es sich selbst erdacht hat. Sieht das menschliche Wesen, das „Etwas“, das ich „bin“ und kann nicht ertragen, wie dumm, wie egozentrisch, wie lächerlich, wie hässlich, wie nichtig es ist .... it only hurts because it's true.* Ich frage mich, wem mein Ego gehört. Ich habe mir angewöhnt, mich als drei „Wesen“ zu sehen: Kopf, Herz & Körper. Meine unheilige Trinität. Es ist wie eine Zwangs-WG, aus der man nicht ausziehen kann. Mein Kopf kann nicht fassen, wie diese beiden Idioten an ihn gekettet werden konnten. Aber sie sind da und sie werden niemals gehen, also beleidigt er sie und lacht sie aus, so oft er nur kann. Er hat ein beeindruckendes Durchhaltevermögen. Und er ist der Lauteste. Mein Herz, das alberne Ding, sitzt meistens geknebelt in der Ecke und wimmert vor sich hin. Manchmal dringt was von außen durch und dann zappelt es so lange 'rum, bis der Knebel verrutscht und es schreien kann. Wenn nichts von außen kommt, denkt es sich gern selbst schlimme Dinge aus. Mein Kopf hat in all den Jahren nicht gelernt, es zu ertragen. Aber er schafft es inzwischen meistens, dafür zu sorgen, dass zumindest kein anderer das dumme Balg hören kann.

Und mein Körper... der Zombie. Hängt an den anderen beiden dran und keiner kann ihn leiden. Er ist einfach da und nervt ständig mit Betriebsstörungen.

„Mein“ Ego gehört wohl dem Herzen ... es ist empfindlich und dumm und eigenschaftslos.  

 

 

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* Morrissey: I'll never be anybody's hero now

 


 

Eine neue Zeit ist angebrochen. Du bist weg … Ich habe dir nicht erlaubt zu gehen. Meine Fantasie

ist mein Gegner geworden. Du fehlst mir. Ich kann dich einfach nicht noch einmal zurückzwingen.

Keine Kraft mehr. Vielleicht liegt es nur daran, dass ich nicht mal mehr mich selbst davon

überzeugen kann, dass du so bist, wie ich dich geschaffen habe. Ich wusste es die ganze Zeit. Es

spielte keine Rolle. Tut es immer noch nicht. Es hat dich trotzdem getötet. Ich bin allein. Wieder

allein. Einfach nur wieder allein. Ganz einfach.

 

Ich hoffe so sehr … ich hoffe, dass du eines Tages wieder da sein wirst. Dass du hinter mir stehen

wirst, wenn ich mich umdrehe, und dass du lächelst und dass dann wieder alles so sein wird, wie es

war. Und dass du bleibst.

 


 

Alles ist wieder ruhig. Es blubbert noch ein bisschen, aber das merke ich kaum. Jetzt ist es wieder schwer, Worte zu finden. In Phasen der emotionalen Erregung bin ich voller Worte und sie rasen so schnell durch mein Hirn, dass ich nur einen Bruchteil zu fassen kriege. Jetzt ist wieder alles gedämpft, in Watte gepackt. Jetzt gibt es kaum noch Worte in mir. Jedes einzelne muss mühevoll abgetragen werden und dann entpuppt es sich nicht selten als etwas anderes. Die Worte sind die Edelsteine in meiner Bergmine und in Phasen wie dieser zeigt sich bei der Bergung, dass der vermeintliche Edelstein nichts anderes als toter, grauer Felsen ist. Wenn ich high bin von dem, was in mir passiert, fallen tausende Edelsteine auf einmal runter und ich breche unter ihnen zusammen. Ich ersaufe in ihnen. Gut fühlt sich das nicht an, aber es ist wesentlich reizvoller als das mühevolle Graben, das nichts zutage fördert.

Heute geht es einfach nicht. Ich habe mir vorgenommen, jeden Tag zumindest ein bisschen zu schreiben, damit ich nicht völlig absterbe. Es ist frustrierend. Ich krampfe mir die Worte ab und danach habe ich weniger als vorher; nur ein paar miese Sätze, die nicht im Mindesten ausdrücken, was ich sagen möchte. Das ist weniger als nichts.

 


 

Ich verstecke mich in meinem Hirn. In diesen Tagen ist die Wirklichkeit unerträglich. Ich bin unerträglich. Ich habe alles, was ich wollte, habe das Ziel erreicht. Ich sollte glücklich und zufrieden in meiner sicheren Nische hocken und der Welt den Finger zeigen. Weil ich es geschafft habe, weil ich endlich den Ort habe, der es mir ermöglicht, in dieser Welt zu überleben. Best-Case-Szenario. Aber es geht mir beschissen. Wenn wir ehrlich sind, war das zu erwarten, aber ich hatte gehofft … gehofft, dass es dieses eine Mal anders ist, dass ich vielleicht ein klein wenig Zufriedenheit finde und sie sogar bewahren kann. Ich konnte nicht. Ich bin, wer ich bin, wer auch immer das ist. Meine Einsamkeit erdrückt mich und das Bewusstsein, dass sie mich niemals verlassen wird, hält mich am Boden. Niemand zählt mich aus. Etwas zu brauchen, das nicht existieren kann … In mir brodelt eine emotionale Bombe, die niemals hochgehen kann. Ich möchte weinen und schreien und um mich schlagen, aber die Grenze ist unüberwindbar. Ich bin so wütend auf dich, auf sie, auf mich, auf meinen beschissenen Körper, der einen Witz aus mir macht. Eingeschlossen in meinen Todfeind und keine Hoffnung … nicht ein Atom Hoffnung, dem jemals zu entfliehen. Zerstörst du ihn, zerstörst du dich – bis dass der Tod euch scheidet.

 


 

Ich bin ein Idiot. Ich dachte wirklich, ich könnte meine lächerlichen Gefühle überwinden, indem ich etwas wirklich Lächerliches mache. Ich habe mich in seinen Worten, seinen Gefühlen, seinem Wesen gesuhlt, um eine völlig alberne Liebeserklärung daraus zu basteln. Mit seinen Worten, die mir viel zu viel bedeuten, habe ich zu ihm, der nicht existiert, gesprochen, habe mein Wesen aufs Papier gekotzt bis mir schwindelig wurde. Ich habe immer an das Prinzip der Verausgabung geglaubt. Und ich habe mich verausgabt, bis zur Besinnungslosigkeit getippt, geschrieben, gedacht, gefühlt und zugehört. Entweder ist das Ganze noch steigerbar oder ich habe mich gewaltig geirrt. Alles ist falsch, alles. Ich bin falsch hier. Ich gehöre nicht hierher. Aber ich bin hier und er existiert nicht. Möglicherweise hat er mal existiert, was im Übrigen auch äußerst unwahrscheinlich ist – aber jetzt ist er definitiv nicht da, nirgends. Er hat nur ein paar Spuren hinterlassen und ich kann einfach nicht aufhören, der Fährte zu folgen, obwohl ich mit absoluter Sicherheit weiß, dass sie nirgendwo hinführen wird. Warum bin ich nur … so?! Warum habe ich nach all den Jahren unter Menschen noch immer nicht gelernt wie einer zu fühlen? Warum muss ich immer Einhörner jagen?? Nur um zu schreiben? Wozu schreibe ich überhaupt? Niemand wird meine Worte lesen – niemand könnte sie je verstehen (doch, vielleicht er, der nicht existiert)… Ich schreibe, weil ich dann glaube zu sein, aber ich bin nicht, weil ich schreibe. Ich werde niemals so sein, wie ich sein sollte, sein müsste, um mit all diesen Dingen fertig zu werden. Aber ich verträume mein Leben, wie ich es schon immer getan habe, weil ich die Welt nicht mag und sie mich nicht. Ich rede mit imaginären Menschen, die ich so erschaffe, dass ich ihre Gesellschaft angenehm finde. Sie sind so wie echte Menschen niemals sein werden, sein können. Ich weiß, dass nahezu jedes meiner Gefühle unangemessen ist; Ich weiß, dass es keinen Sinn hat sich dem auszuliefern, weil es einfach niemals zu irgendetwas Gutem führen wird. Ich weiß, dass mich meine Gefühle immer weiter in die Isolation treiben, aber anstatt mich zu wehren, feuere ich sie an. Ich weiß all das und ich kann mich einfach nicht ändern, ich lerne einfach nicht damit umzugehen. Ich erwarte ja gar nicht, dass sie verschwinden, dass ich eines Tages aufhöre so zu fühlen, aber ich erwarte, dass ich endlich lerne, sie als das, was sie sind, hinzunehmen. Es sind nur Spinnereien und ich sollte nicht zulassen, dass sie Einfluss auf mein Leben haben. Aber ich kann nicht. Ich liebe ihn und irgendwas in mir will einfach nicht aufhören zu glauben, dass wir eines Tages eins sein werden.

 


 

Heute ist ein verlorener Tag. Ich kann mich nicht ertragen und ich will nichts mit der Welt zu tun haben. Wenn es mir so geht, verstecke ich mich normalerweise in meinem Hirn und verrammele die Tür. Heute krieg' ich die scheiß Tür nicht auf. Ich weiß, dass du da drin bist und ich will zu dir, aber ich komme einfach nicht rein. Ich weiß nicht, woran es liegt, aber ich vermute ein Grund zumindest ist, dass ich mich heute beim besten Willen nicht davon überzeugen kann, dass du mich mögen würdest. Ich bin furchtbar hässlich, dumm und emotional verkrüppelt. Wie konnte ich mir nur einreden, es gäbe auch nur eine Sache, die ich mit dir teile? Ich bin zittrig und ich kann mich nicht eine Minute konzentrieren. Ich dachte, ich sollte versuchen zu schreiben, weil es mir gut tun könnte. Ist nicht so. Mir geht’s immer noch beschissen.

 


 

Ich sein. Das sage und denke ich ziemlich oft. Ich kann nicht „Ich“ sein in dieser Welt. Mit dieser Arbeit, bei dieser Person, in dieser Beziehung, in diesem Leben. Ich weiß nicht, wer „Ich“ ist. Wusste ich noch nie. Aber es ist immer so, wirklich immer, dass ich Teile dieses „Ichs“ unterdrücken muss. Es fühlt sich an, als wären einige Körperteile vom Sauerstoff getrennt, manche dürfen sich mit anderen abwechseln und zwischendurch atmen, während die anderen die Luft anhalten müssen. Andere sind schon ganz blau, violett, mehr grau, fast tot, aber nicht weg. Manchmal erfüllt mich die Qual dieser „Ich-Teile“ mit Freude, genieße den Schmerz, der eigentlich meiner ist, aber so fühlt es sich nicht immer an. Dann und wann spüre „ich“ den Schmerz körperlich, manchmal ist körperlicher Schmerz nicht fühlbar. Als würde jemand an den Mauern reißen und rütteln, aber im Inneren ist nur ein ganz leichtes, dumpfes Beben zu spüren. Manchmal nicht mal das.

 

Vielleicht werden diese halbtoten Teile eines Tages ausbrechen, vielleicht übernehmen sie eines Tages mein Leben und ich weiß nicht, ob „ich“ noch genügend Trotz besitze, um wieder gegen mich selbst kämpfen zu können. Eines Tages werde ich sie vielleicht einfach machen lassen. Möglicherweise gebe ich eines Tages auf. Ich fürchte diesen Tag, obwohl ich selten glaube, dass er kommen wird. Vielleicht muss ich ihn gar nicht fürchten. Vielleicht ist dieser Tag meine Rettung, wenn alles aus mir heraus bricht. Vielleicht bin ich dann hässlich und grausam und eine Gefahr für mich und vielleicht auch für andere, aber vielleicht bin ich ja dann „Ich“, vielleicht ist das alles. Vielleicht ist die Lösung so einfach. Ich hätte dann gewiss nicht mehr viel Zeit zum Leben, aber vielleicht würde ich dann zufrieden sterben, wenn ich zumindest einmal „Ich“ war. Das klingt ziemlich reizvoll, aber ich glaube nicht wirklich, dass es so sein wird. Ich würde furchtbar sein und schreien und weinen, mich fühlen als würde ich zerreißen unter all diesem … diesem Gefühl? Was es ist, ist eigentlich egal. Am Ende werde ich allein sein, völlig und ganz und gar und ohne die kurzem Momente, die ich jetzt hin und wieder erlebe. Einfach nur allein. Und ich würde lange leben und alt werden und langsam verwesen bis wirklich nichts mehr übrig ist. Und dann würde ich nicht mehr sein und hätte alles verloren, was ich zu haben glaube und mir erträume.

 


 

Immer wieder erlebe ich Phasen der Besessenheit. Ich glaube, so gleiche ich diese tausend Wesen in mir aus und vermeide völlig durchzudrehen. Ich hasse diese Phasen so sehr wie ich sie liebe. Ich liebe sie, weil sie mich lebendig fühlen lassen. Es ist ein Vibrieren, ein fiebriges Rasen der Gedanken, ein Überquellen an Gefühlen. Eine Sehnsucht, die mich kaum atmen lässt. Alles surrt und schwirrt und es gibt nur noch eine Sache, um die sich alles dreht und um die sich schon immer alles zu drehen schien. Was natürlich nicht so ist und selbst in diesen Phasen weiß ich, dass es nicht immer so war und dass es vorbeigehen wird. Aber ich fühle, dass es immer so war und immer so sein wird.

 

Diese Phasen können durch alles Mögliche ausgelöst werden. Durch einen Menschen, den ich sehe oder mit dem ich spreche. Einen Film, ein Lied, das ich lange nicht gehört habe, einen Geruch, ein Bild, einen Traum oder eine neue Platte. Manchmal kommt es ganz plötzlich und völlig unerwartet und ich schlittere in diesen Modus und brauche meistens eine Weile bis ich kapiere, was los ist. Aber es gibt auch „Ereignisse“, bei denen mir schon vorher klar ist, wo ich gleich abbiege und was ich von den nächsten Tagen oder Wochen zu erwarten habe.

 

Im Moment ist es wieder so weit. Alles dreht sich einzig um eins und um alles. So how can anybody say they know how I feel? * Es ist verflucht schwer mich daran zu erinnern, dass das „Leben“ weiter läuft, die Erde sich immer noch dreht. Es kostet so viel Kraft mich davon abzuhalten, etwas „Unvernünftiges“ zu tun und mir immer wieder zu erklären, dass mein Leben auch ohne es „Sinn“ macht und es nicht das Einzige ist, auf das ich immer gewartet habe. Mich daran zu erinnern, dass ich eigentlich zufrieden sein muss, weil ich gerade an einem Punkt bin, den ich – rein kopfmäßig – lange angestrebt, darauf hingearbeitet habe. Dass ich genau jetzt in der sicheren Nische hocke, in der ich ein bisschen „Ich“ sein kann und trotzdem noch in dieser Welt sein kann und sogar einigermaßen ok so bin. Immer wieder der gleiche Konflikt. Immer wieder streiten mein erwachsener Geist und meine kindlichen Gefühle. Und mein Körper steht im Weg.

 

 

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* Morrissey: How Can Anybody Possibly Know How I Feel?

 



Es gibt zwei Menschen auf dieser Welt, mit denen ich mich verbunden fühle. Diese beiden Menschen lassen mich daran glauben, dass ich nicht allein bin. Dass es andere wie mich gibt. Zwei Menschen, die mich gleichermaßen aus meiner Isolation ziehen und mich noch tiefer hineinstoßen. Zwei Menschen, die ich nicht kenne. Ich weiß, wie sie aussehen. Ich würde ihre Stimmen unter tausenden erkennen. Und ich kenne die Gedanken, die sie mit der Welt teilen. Mehr nicht. Aber ich erkenne mich in ihnen. Manchmal ist es als würden sie ausdrücken, was ich so lange nicht sagen konnte, weil ich keine Worte dafür hatte. So viele andere bewundern diese beiden Menschen. Wie ich halten sie sich wohl für die Einzigen, die wirklich verstehen, was sie sagen.

 

Aber ich glaube natürlich es besser zu wissen. Diese beiden sind Menschen wie ich. Zwei, die an der Welt und an sich selbst scheitern. Nur verfügen sie – im Gegensatz zu mir – über Fähigkeiten, die ihnen dennoch einen Platz in dieser Welt geben. Sie haben einen Weg gefunden, sie selbst zu sein. Ihre vermeintliche Schwäche wurde zur Stärke, zu einem Vorteil, in ihrem Paralleluniversum, das irgendwie trotzdem mitten in dieser Welt bestehen kann. Ich habe keine Fähigkeiten, die ich nutzen könnte, um mir einen Platz zu sichern und trotzdem ich selbst zu sein. Was auch immer das heißen mag. Aber ich bin dankbar, dass diese beiden es geschafft haben. Dass ich ihnen zuhören kann. Dass ich nicht einzigartig bin mit meinen Gefühlen, die niemand versteht. Ich glaube wirklich, dass sie mich verstehen würden, wenn wir miteinander sprächen. Genauso wie ich glaube, sie zu verstehen in dem, was sie ausdrücken. Das ist natürlich eine schöne Vorstellung, eine Idee, die mich weitersuchen lässt, nach diesem einen Menschen, von dem ich weiß, dass er nicht existiert.

 

Aber wie es so ist im Leben, hat sogar dieser alberne Grashalm zwei Seiten. Ich halte mich an ihm fest, um weiterzuatmen; aber er erinnert mich auch daran, dass ich überhaupt atmen kann. Ich glaube, es wäre besser, wenn ich das endlich vergessen könnte. Wenn ich endlich aufhören würde, Einhörnern hinterher zu jagen. Wenn ich endlich einsehen könnte, dass es für mich einen Platz gibt in dieser Welt, wenn ich nur endlich dazu bereit wäre, den Preis zu bezahlen. Einige Anzahlungen habe ich bereits geleistet, aber ich schaffe es einfach nicht, den Rest abzugeben. Ich fürchte einfach, dass es mehr ist als ich habe. Dass das Ich, das ich irgendwie bin, dann stirbt und ich weiß nicht, ob der Rest ohne mich weitermachen kann.

 

Diese beiden Menschen geben mir mehr, als ich tragen kann. Meine beiden imaginären Freunde, die ich so sehr liebe, dass es mich zerreißt. Und die ich so sehr hasse, weil sie mich immer weiter antreiben, mich immer weiter suchen lassen nach etwas, das es nicht geben kann. Sie erinnern mich immer wieder daran, dass ich anders bin; daran, dass ich in dieser Welt nicht sein kann. Aber sie zeigen mir auch immer wieder, dass ich noch lebe.



 

Der Hunger ist wieder da. Einmal – nur einmal kurz hingesehen und schon bin ich wieder einmal verloren. Wenn ich es wenigstens verstehen könnte. Das Verstehen heilt mich nicht, aber es hilft. Jedes Mal, wenn ich durchdrehe, setze ich mich hin und denke nach. Solange bis ich weiß, warum. Dann geht es wieder. Ich fühle mich zwar immer noch scheiße, aber ich funktioniere wieder. Renne nicht mehr die Wände hoch und runter. Oder was ich sonst eben so mache, wenn ich mal wieder ins Wunderland aufbreche. Das Denken hilft. Das Verstehen, warum ich so oder so denke, handle, fühle. Ich kann mich neben mich stellen und als interessantes Forschungsobjekt betrachten. Das ist besser als an sich selbst zu ersticken.

 

Aber diese eine bescheuerte Sache, die wirklich absolut und vollkommen LÄCHERLICH ist, lässt mich nicht los. Es ist Hunger, Gier, einfach nur Wollen. Nichts sonst. Und ich darf nicht, und selbst wenn ich dürfte, könnte ich nicht, weil es trotzdem falsch wäre und fürchterlich Konsequenzen hätte und selbst wenn all das nicht so wäre, ginge es trotzdem nicht, weil du es nicht willst. Und nichts wird sich ändern und ich werde weiter verhungern, aber nicht sterben. Aber es muss vorbeigehen. Alles endet. Alles. Ich muss zumindest verstehen warum. Dann kann ich es aushalten. Mehr will ich nicht. Zumindest mein Kopf nicht. Der Rest hungert weiter und wird hinterher gezogen, wie ein totes Tier. Ich fürchte nur, der Rest steht irgendwann auf und nimmt sich, was er will und stürzt uns damit alle in den Abgrund.

 


 

Das Fieber ist ausgestanden. Das emotionale Vibrieren hat sich gestern mit mir schlafen gelegt, ist aber nicht mit mir aufgestanden. Nach Phasen emotionaler Reizüberflutung folgt unweigerlich die Depression. Alles ist zäh und schwer, dumpf. Ich bin müde. Als hätte mich jemand aus meinem Traum gerissen und in die Realität gestopft. Die (vermeintliche) Wahrheit lässt mich am Boden zerstört zurück. Da bin ich wieder, schwimme meine Runden im Fatalismus-Pool. Ich bin nichts, habe nichts zu geben und es gibt nichts, was ich daran ändern könnte. Das Schöne an Depressionen ist, dass alles einfach ist. Man denkt nicht über Facetten nach. Es ist einfach alles scheiße.

 

Ich habe heute in den Spiegel geguckt. Normalerweise vermeide ich das, weil es mir viel besser mit dem Bild von mir in meinem Kopf geht. Aber manchmal passiert es einfach und nach der Fassungslosigkeit folgt die Erkenntnis, dass ich einfach unsagbar abstoßend bin. Es ist unglaublich schwer zu glauben, dass ich wirklich so aussehe. Von meiner Standard-Perspektive – also sozusagen der Blick nach außen – ist alles gar nicht so schlimm. Mit dieser Perspektive ist es ziemlich leicht, sich glauben zu machen, dass man ganz ok wäre. Aber man sieht eben immer nur Ausschnitte, den Rest erledigt das Hirn. Und dann sehe ich mich im Spiegel plötzlich komplett, also so, wie alle anderen mich sehen, und ich schäme mich in Grund und Boden, dass ich überhaupt jemals wage, das Haus zu verlassen. Vielleicht ist auch beides „falsch“, also sowohl das „Ich-Bild“ als auch das Spiegelbild. Dumm nur, dass ich diese Frage nicht beantworten kann. Wieder ein Rätsel ohne Lösung. Vielleicht sollte ich heute das mit dem Denken lassen und mich auf meine Depressionswolke schmeißen. Mich einfach der Leere ergeben bis diese Phase auch wieder vorbei ist.

 


 

Gestern kam mir plötzlich der Gedanke, dass es durchaus möglich wäre, dass du zufällig über diese Zeilen stolperst. Was wäre dann? Würdest du erkennen, wer hier schreibt? Würdest du erkennen, dass du gemeint bist? Würdest du meine Sprache erkennen? Ist das Internet groß genug für uns beide? Ich stelle mir gerade dein Gesicht vor, der Ausdruck, der über deine Züge schleicht, während du das hier liest … wie wäre es, wenn wir endlich einen Schritt vorwärts gehen in diesem Spiel? Vielleicht sollten wir endlich aufhören, die Würfel zu verstecken, während wir uns vormachen, es gäbe kein Vorwärts. Ein Rückwärts gibt es nicht, das wissen wir beide. Aber müssen wir wirklich Jahr für Jahr auf der Stelle laufen? 

 

Heute bin ich zu unsortiert für gute Sätze. Heute ist das Schreiben wie sonst nur das Sprechen für mich ist. Ich spreche nicht gern. Wenn ich muss, fühlt es sich an als hätte man mir den Mund mit Beton ausgewaschen. Es ist furchtbar anstrengend, zäh und krampfig. Und kein Mensch versteht, was ich sage. Ich spreche undeutlich und leise. Das führt dazu, dass mein Gegenüber entweder ständig fragt, was ich eben gesagt habe oder nur so tut, als hätte er es verstanden und  immer wieder an den unpassendsten Stellen verlegen lacht. Beides ist ziemlich nervig und oft schwer auszuhalten. Kontakt mit anderen ist immer irgendwie anstrengend. Wenn ich eine Weile mit jemandem gesprochen habe, tut mir das ganze Gesicht weh. Mein Kiefer ist verkrampft vom Lächeln und Worte rauspressen. Ich spüre so deutlich, dass die Anspannung nachlässt, wenn ich wieder allein bin, dass es sich anfühlt als würde ich nach viel zu langer Krankheit endlich wieder aufstehen. Wahrscheinlich schreibe ich nur deswegen, weil mir das gesprochene Wort nicht als Ausdruck dienen kann. Außerdem äußere ich mich gern überlegt, was bei einem Gespräch schwierig ist, weil man den anderen höflicherweise nicht minutenlang auf eine Antwort warten lässt. Oft mache ich es trotzdem, was nicht selten dazu führt, dass mich andere Menschen wirklich seltsam finden und keine Ahnung haben, wie sie mit mir umgehen sollen. Ehrlich gesagt finde ich das ziemlich lustig, wenn der andere anfängt sich unwohl zu fühlen, das lenkt von meiner eigenen Abneigung für diese Situation ab. Manchmal schaffe ich es dann etwas zu sagen, was die Leute völlig fertig macht und heimlich gratuliere ich mir in Gedanken dazu und lache mich halb tot. Aber ehrlich gesagt ertrinke ich meistens in Selbstmitleid, weil ich nicht mit anderen Menschen klarkomme und absolut unfähig bin Small Talk zu betreiben. Ich schweife dann in Gedanken so sehr ab, dass ich völlig vergesse, dass noch jemand anderes mich sieht und ich auch außerhalb meiner Gedanken existiere. Ich finde es wirklich ziemlich schwierig zu akzeptieren, dass an meinem Hirn ein Körper hängt, der noch dazu meistens nicht nur nutzlos sondern auch äußerst hinderlich ist.

 

Und heute ist es mit dem Schreiben ganz ähnlich. Meistens ist es so, als hätte ich einen furchtbar großen Druck im Hirn und den werde ich nur los, wenn ich mir ein Loch in die Schädeldecke bohre. Manchmal ist es dann eigentlich noch nicht so weit und ich merke, dass das Loch nur minimale Erleichterung bringen würde, aber manchmal ist der Druck einfach nicht auszuhalten und das Loch muss jetzt her, sonst platzt mir der Schädel. Im Moment ist es so. Durch mein aktuelles Ventil purzeln nur unzusammenhängende, unpräzise formulierte Worte, die irgendwie einen Weg von der Tastatur zum Bildschirm finden. Und dann entsteht etwas, wie dieser Text. Solche Texte behalte ich normalerweise für mich. Ich glaube, heute sollte ich so einen "Text" mal freilassen. Einfach mal beobachten, was passiert und wie lange es dauert, bis ich das hier wieder lösche und nur heimlich und offline aufbewahre. Besser wird es heute nicht. Ich mach mich dann mal auf die Suche nach einem neuen Bohrer.

 


 

Warum sagt du so etwas? Alles war gut. Alle Dinge liefen irgendwie in die richtige Richtung. Und dann platzt du rein und wirfst einen einzigen verfluchten Satz in den Raum und dort bleibt er hängen und schaukelt vor meinen Augen hin und her. Immer wieder. Ich werde wirklich blöd davon. Ich saß den halben Tag in der Straßenbahn und habe Musik gehört und an deinen dummen Satz gedacht und daran wie es wäre, wenn ich dich jetzt zufällig träfe. Ich weiß genau, was ich dann machen wollen würde und ich weiß genau, dass ich es nicht täte, weil dann alles furchtbar und noch verwirrender werden würde. Und trotzdem denke ich wieder und wieder darüber nach, wie es wohl wäre. Du bist ein scheiß Idiot. Ich kenne dich und unser bescheuertes Spiel schon viel zu lange, als dass es sich lohnen würde, darüber nachzudenken. Aber ich denke darüber nach und male mir die merkwürdigsten Dinge aus und was ich sagen würde und was du sagen würdest und was wir täten und alles dreht sich im Kreis und alles geht wieder von vorne los. Wenn ich es in ein paar Wochen geschafft habe, den Mist wieder dorthin zu räumen, wo er hingehört – irgendwo hinter einer fest verschlossenen Tür in den Tiefen meines Hirns – kommst du und sagst solches Zeug (und ich kann mich wirklich nicht daran erinnern, wann ich dir den Schlüssel dafür gegeben habe). Es ist wirklich jedes Mal so. Und jedes Mal hüpfe ich dümmlich grinsend auf mein Gedankenkarussell und weiß nicht mehr, wo oben und unten ist. Ich frage mich wirklich, warum es immer wieder bei mir funktioniert. Warum ich immer wieder auf diesen Zug aufspringe, in dessen Führerhaus du sitzt und uns irre lachend an die Wand fährst. Und dann denke ich wieder darüber nach, ob es überhaupt deine Absicht gewesen ist oder ob es tatsächlich nur ein dummer Spruch war, der mich zum Lachen bringen sollte und den ich in der nächsten Sekunde wieder vergessen sollte. Ehrlich, irgendwann muss ich doch mal damit aufhören … ich fürchte, ich warte meistens schon auf deinen dämlichen Zug, um mich endlich wieder im Rausch der Gefühle zu suhlen und so lange Karussell zu fahren bis ich kotzen muss. Tja-ja, wer weiß das schon. Ich werde es wohl in ein paar Tagen wieder hinter mich gebracht haben. Ich weiß genau, dass du dann schon hinter der nächsten Ecke lauern wirst. Ich hoffe nur, dass ich nicht wieder mit gepackten Koffern bereitstehe und dir in die Arme hüpfe.

 


 

Spielen wir ein Spiel? Weißt du mehr als ich oder schwebst du auch im leeren Raum mit blinkenden Lichtern? Manchmal sage ich Dinge, um dich zu quälen. Um dich daran zu erinnern, dass wir uns wollen und nicht haben können. Nicht in dieser Welt. Und manchmal sagst du Dinge, die mich quälen. Aus dem gleichen Grund? Manchmal sagst du Sachen. Dann lache ich. Dann denke ich und dann merke ich, dass ich nicht glauben kann, was du gesagt hast. Manchmal glaube ich, dass ich mir das nur einbilde und manchmal siehst du mich an und dann weiß ich, dass es nicht so ist. Und manchmal siehst du mich an und dann glaube ich, dass wir ein Spiel spielen, aber nicht gemeinsam. Jeder hat ein eigenes Ziel und eigene Regeln. Manchmal glaube ich, du lügst; du machst nur Scherze, indem du Dinge sagst, die ich von dir erwarte, aber nicht glaube, dass du sie aussprechen könntest. Manchmal glaube ich, du nutzt das aus, um sagen zu können, was du sagen willst, aber nicht darfst.

 

Und nach so langer Zeit, weiß ich immer noch nicht, wie es wirklich ist. Manchmal sehe ich dich an und weiß, dass mir niemand auf dieser Welt näher ist. Auf diese merkwürdige Weise. Du bist mir nah, wenn du nicht bei mir bist und wenn du nicht mit mir sprichst und manchmal auch wenn du bei mir bist und mit mir sprichst. Und manchmal bist du mir ganz und gar fremd. Als sähe ich dich zum ersten Mal. Dann sehe ich dich an und verstehe nichts. Dann bin ich mir sicher, dass all diese Dinge nur in meinem Kopf sind. Dass ich der Realität Teilchen entnehme, um sie dann im Geheimen zu einer Wahrheit zusammensetze, die nur für mich gilt.

 

Manchmal frage ich mich, wie lange es noch so weitergeht. Oder ob du mir eines Tages eine Wahrheit erzählst, die ich glauben kann. Aber was soll ich damit machen? Wird es mich verändern? Oder dich? Oder uns? Würde das alles zerstören, was ich an dir zu haben glaube? Oder werde ich enttäuscht sein, weil ich verloren habe, was ich zu hüten glaubte? Wird es mich so zerreißen, wie ich es heute befürchte? Wie lange lebt ein Traum?

 

Ich weiß, dass ich dich will. Wenn du bei mir bist, ist es schön. Doch gleichzeitig schmerzt es so sehr, dass ich glaube, es nicht mehr auszuhalten. Du weißt schon, „want you so bad I can taste it“* … aber es geht nicht, weil ich ich bin und du du. Mehr braucht es nicht, das ist die ganze Erklärung. Es ist nicht möglich. Nicht so lange wir sind, wer wir sind und das wird sich in diesem Leben nicht ändern und da ich nicht an ein anderes Leben glaube, kann ich nur sagen, dass es nicht möglich ist.

 

Es schmerzt, dass es nicht möglich ist. Aber ich liebe den Traum wie es sein könnte. Ich liebe ihn so sehr, dass ich vieles täte, um ihn behalten zu können. Und ich werde ihn niemals teilen.

 

Manchmal denke ich an den Tag im Sommer, als ich draußen saß und dein leises Tippen von drinnen hörte. Ich habe diesen Augenblick geliebt. Er war die perfekte Illusion. Näher werden wir einander nicht kommen. Ich hole diese Erinnerung aus einem Schmuckkästchen, es ist fest verschlossen und nur ich weiß, wo es ist. Ich drehe die Erinnerung wie einen Ring, auf dem die Sonne schimmert. Ich lege sie behutsam zurück und verschließe das Kästchen. Näher werden wir einander nicht kommen.

 

Wieder und wieder und wieder frage ich mich, ob es wahr ist. Ob du fühlst, was du zu fühlen scheinst. Wieder und wieder und wieder fühle ich, dass ich – was auch immer passiert – auf keinen Fall eines Tages die Antwort „Nein“ erhalten möchte. Es würde mich zerbrechen. Manchmal glaube ich, ich liebe diesen Traum mehr als dich.

 

 

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* Placebo: Exit wounds

 


 

Sie kommen wieder,

Aus der Tiefe,

Aus der Leere,

Kriechen aus dem Dreck,

Schleichen sich an,

Schrecken mich auf,

Ertappen mich,

Sie brechen hervor,

Erobern zurück,

Was ich verlor.

Sie surren,

Schwirren,

Umschmeicheln mich,

Flüstern und schreien,

Stellen mir nach,

Verführen, vergewaltigen,

Streicheln,

Und weiden mich aus.

Sie sind zurück.

Ich habe sie wieder.

Und sie haben mich.


 

Es gab eine Zeit, in der ich dachte, ich müsse schreiben. Es war wie Atmen. Denken, schreiben, alles festhalten, mich festklammern an allem. Ich war, weil ich schrieb. Ich habe lange nicht geschrieben, doch oft den Drang danach verspürt. Es fehlte an Zeit; Es fehlte an Worten. Jetzt bist du da. Ich schreibe nicht mehr, weil ich nicht in jedem Moment an meinen Worten zu ersticken glaube. Ich möchte schreiben, weil ich die Erinnerung an uns nicht verlieren möchte. Aber ich kann nicht. Wenn ich lange nicht geschrieben hat, weiß ich nie, wo ich einsetzen soll ... und es ist zäh. Die Finger hinken über die Tasten, über die sie noch vor ein paar Monaten tanzten. Es fehlt, und doch wieder nicht. Heute ist es still um mich. Wie Weihnachten. Aber es ist warm und die Sonne scheint ... wie es eben ist im Juli. Aber das Gefühl ist das gleiche. Jemand steht hinter mir und legt mir seine Hände um den Hals ... ich bin ganz still und warte darauf, dass er zudrückt. Er drückt nicht zu. Ich bin angespannt, unsicher, ängstlich. Etwas kommt auf mich zu. So ein "Weihnachtsgefühl" ... An Weihnachten muss ich der Wahrheit ins Gesicht blicken – jedes Jahr. Alle sind hektisch und schaffen und raffen und sind nicht allein. So sieht es aus, wenn man ein paar Tage vorher allein über den Weihnachtsmarkt geht ... ich habe das erst einmal bewusst gemacht, in dem Jahr, in dem ich allein zuhause blieb. Es war weniger schlimm, als es sich anhört. In den anderen Jahren war ich bei Freunden, Bekannten – fremde Familien ... das war eigentlich schlimmer. Als Fremdkörper.

 


trist.

desolat.

Dämmerzustand.

Götterdämmerung.

Götzendämmerung.

gottlos.

quo vadis?

na ja.

aus dem Leid wachsen die schönsten Blüten.

wurde mir mal gesagt.

somehow – i don’t know – overloaded.

höre den Fingern zu;

ich seh’ fern

- Augen zu -

träum von einem anderen Leben,

anderen Zeiten,

anderem Ich.

somehow – somewhere - some time

Dämmerzustand.

lustlos, mutlos, tonlos, hirnlos.

ich fühl mich unbewohnt

um’s mit fremden Worten zu sagen.

wie gesagt: na ja .

ich denke im beschränkten Raum.

Hirn im Vakuum.

aus Leid wachsen die schönsten Blüten.

na dann.

Leid?

Der Blick aus dem Fenster zeigt nichts

alles wär’ nur halb so schlimm,

wenn die Angst nicht wäre...

heute hat mir meine Angst den Tag versaut.

Insgesamt: mein ganzen Leben.

na ja, größtenteils.

wie gesagt  


Suche nach Worten,

Die sagen,

Was ich meine.

Meine Gedanken kreisen

Um damals

Und jetzt.

Vergleiche,

Wäge ab,

Denke hin,

Denke her

Versuche mir zuzuhören

Wirklich ...

Ich höre nichts

Sehe keinen Weg

Nicht vor

Nicht zurück

Ich will bei dir sein.

Und weg von dir.

Endlich weg.

Es könnte so einfach sein.

Einfach...

Ich habe zwei Herzen.

Eins gehört dir.

Das andere hab' ich verloren.


Ich drehe mich

Dreh mich im Kreise.

Vor und zurück

Hin und her

Die alte Weise

Lullt mich in den Schlaf.

Ich sehe kein Ziel

Ich halte nicht an

Ahne, glaube, staune,

Breche ein

Ins Eis

Meine Lunge füllt sich

Mit Sternenstaub

Ich laufe weiter

Laufe weg von mir

Vom Leben

Und suche,

Suche das Jetzt,

Den Ausgang,

Dort,

Genau dort,

Wo keiner ist;

Wo niemals einer sein wird.